Zweisprachige Ortsschilder in Nordschleswig unerwünscht – vorläufiger Schlusspunkt einer emotionalen Debatte

Foto: Harro Hallman, www.bdn.dk

Die zweisprachigen Ortsschilder in Nordschleswig haben in den letzten beiden Wochen, seit dem letzten Newsletter, weite Kreise gezogen und so einige Überraschungen geboten. 

Doch um die Spannung gleich am Anfang zu lüften: es wird in absehbarer Zukunft keine zweisprachigen Ortschilder in Nordschleswig, Dänemark, geben. Der Wunsch der deutschen Minderheit – in den vier größeren Städten Aabenraa / Apenrade; Sønderborg / Sonderburg, Tønder / Tondern und Haderslev / Hadersleben am Ortseingang zweisprachige Schilder anzubringen, fand politisch bei den Bürgermeister in den vier nordschleswigschen Kommunen kein Wohlwollen. 

Erfreulich ist, dass wir mit unserer Forderung zahlreiche Unterstützung erfahren haben. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur, sowie zahlreiche „normale Bürger“ unterstützen das Anliegen. Leider hat es auch negative und zum Teil verletzende Äußerungen gegeben. 

Die Enttäuschung in der Minderheit ist groß. Persönlich sehe ich die emotionale Debatte für die deutsche Minderheit als durchaus positiv.  Wir haben eine berechtigte Forderung artikuliert, die dann abgelehnt wurde. Wir sind mit einem Schlag wieder in das Bewusstsein vieler Bürger gerückt (uns wird oft vorgehalten, nicht sichtbar genug zu sein) und wir haben uns mit einigen zentralen Fragen der eigenen Identität als Minderheit sowie über das Zusammenleben von Minderheit und Mehrheit im deutsch-dänischen Grenzland kritisch auseinandersetzen müssen. Denn bei allen Jubelfeierlichkeiten der vergangenen Monate, ist es eine lehreiche Erfahrung, die eigene Minderheitenwohlfühlrealität auch einem kritischen Praxistest zu unterziehen.

Es gibt in Kreisen der deutschen Minderheit Stimmen, die meinen, die Zeit sei nicht reif für eine Forderung nach zweisprachigen Ortsschildern und die Minderheitenführung hätte „feinfühliger“ agieren müssen. Diese etwas selbstgerechte bzw. selbstbeweihräuchernde Analyse trifft meiner Meinung nach am Ziel vorbei.

Eine Minderheit, die keine Forderungen hat, die sie auch gewillt ist, gegen Kritik vorzubringen und sich zurückzieht, aus Angst, das Missfallen der Mehrheit zu erregen, ist eine Minderheit, die sich im Kern bereits aufgibt.    

Sicher, man kann immer besser kommunizieren, besser erklären und ja, Ortsschildern sind nicht die wichtigste Frage des Universums. Aber sie bleiben eine berechtigte Forderung und wurden mit Augenmaß vorgetragen. 

Es hat auch diesmal nicht sollen sein – und wir konstatieren, dass neben allem gegenseitigen „auf die Schulter klopfen“ und dem „vom Gegeneinander zum Füreinander“ zitieren, weiterhin noch einiges an Nachholbedarf im Grenzland besteht. 

Wir geben jedoch so schnell nicht auf und werden es sicher wieder versuchen und irgendwann heißt es dann auf den Ortschildern auch Apenrade, Hadersleben, Tondern und Sonderburg. 

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