Bewegung in Frankreich: Präsident Hollande will Regionalsprachen endlich anerkennen

Quelle: "Deutsch-französische Materialien für den Geschichts- und Geographieunterricht."
In Frankreich bewegt sich was. Lange galt das Land, gemeinsam mit Griechenland, als einer der größten Hemmschuhe einer Minderheitenpolitik in Europa und als Gegner im Kampf um die Bewahrung der Sprachenvielfalt. Viele der "neuen" EU-Staaten im Osten Europas, begründen ihr abnehmendes Engagement für die Minderheiten, mit einem Blick gen Frankreich. Warum muss man in Warschau mehr für die Minderheiten tun, als in Paris? 

Bekanntlich sind zahlreiche der autochthonen Sprachen Europas - auch Regional- und Minderheitensprachen genannt - vom Aussterben bedroht. Frankreich weigert sich (bislang), die eigenen Regionalsprachen anzuerkennen. 

Mit der stolzen Tradition der französischen Revolution im Gepäck, ist es sozusagen Staatsräson in Frankreich, dass es in Frankreich nur Franzosen geben kann - die Sprache Frankreichs ist demnach natürlich allein Französisch. Aus diesem Leitgedanken heraus, hat sich eine restriktive Politik gegenüber den vielen Regional- und Minderheitensprachen entwickelt. 

Das soll sich nun alles ändern. Zumindest hat dies der französische Präsidenten Francois Hollande angekündigt. Er hat den zuständigen Justizminister aufgefordert, die legeslativen Weichen zu stellen, um der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates beitreten zu können. Das wäre ein enormer Erfolg und ein Signal weit über die Grenzen Frankreichs hinweg. Doch die Kenner der französischen Politik und die Aktivisten für die Sprachenvielfalt in Frankreich dämpfen übertriebenen Jubeloptimismus. Der Vorstoß von Hollande wird zwar ausdrücklich begrüßt - doch muss dieser erst erarbeitet werden, dann durch den Kongress und mit 3/5 Mehrheit des Parlaments angenommen werden. Es gibt noch zahlreiche Hürden zu nehmen.

Doch zurecht freuen sich Bretonen, Korsen, Okzitanier sowie alle anderen Vertreter der Regional- und Minderheitensprachen in Frankreich. Seit Jahren kämpfen sie für die Anerkennung und Förderung ihrer Sprachen. 

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch eine kürzlich veröffentliche Umfrage in Frankreich, die bestätigt, dass die Bürger den Regional- und Minderheitensprachen weit positiver Gegenüberstehen, als gemeinhin vermutet wird. Demnach sind 72% der Franzosen dafür, dass es eine offizielle Anerkennung der Regionalsprachen in Frankreich geben wird. 18% der Befragten sind sogar „sehr dafür“ und nur sechs Prozent sind „völlig dagegen“. 

Nun gilt es den Druck aufrecht zu erhalten und den französischen Präsidenten in seinem Vorstoß zu Anerkennung der Regionalsprachen in Frankreich zu unterstützen. 


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