Dänemark: Wahlnachlese in der Presseschau

Der Nordschleswiger ist heute in Papierform nicht in Kopenhagen angekommen ... 

Der Nordschleswiger – Die Holzschuhregierung 
In der Tageszeitung der deutschen Minderheit in Dänemark, blickt Siegfried Matlok im Leitartikel in die Vergangenheit und sieht Parallelen zur „Schock-Wahl“ von 1973 und der folgenden - kurzlebigen - Venstre-Minderheitenregierung von Poul Hartling. 

Doch ob es eine Neuauflage einer "Holzschuhregierung" geben wird, hänge von der Dänischen Volkspartei ab.
„Wenn Thulesen Dahl als „König Tulle“ gefeiert wird, dann keineswegs nur wegen rechter Parolen, sondern weil er von Wählern auch als politischer Handwerker anerkannt wird – ungeachtet seiner strittigen politischen Ansichten.”

Wahlanalyse:
2015: Dänemark hat gewählt 
Hintergrund:
Die dänischen Parteien und das Wahlsystem - für Außenstehende erklärt

Flensborg Avis – Zeig Großmut, Thulesen Dahl
Der Chefredakteur der Zeitung der dänischen Minderheit, Jørgen Møllekær, hat seinen Leitartikel in einen Brief an den neuen „König“ der dänischen Politik, Kristian Thulesen Dahl, abgewandelt. Er lobt ihn für sein gewinnendes und pragmatisches Wesen sowie für seine unbestrittenen Fähigkeiten als Politiker. Er fordert den neuen starken Mann in Dänemark dazu auf, Großmut walten zu lassen und sich nicht abzuschotten.
„Du weißt ja, wie alle anderen auch, dass Dänemark Einwanderung braucht, wenn wir unseren Wohlstand beibehalten wollen.“


Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (SHZ)- Dansk Folkeparti - Fehlkonstruktion statt Qualitätsware  
Der SHZ lässt das Wahlergebnis von Ruben Karschnick kommentieren, der versucht dem verdutzten Lesern in Schleswig-Holstein den Wahlsieg der Dänischen Volkspartei zu erklären. Er landet dabei bei 1864 und der besonderen Verbindung der Dänen zum eigenen Land. 
"Doch woher kommen bloß die vielen Wähler? Wer das verstehen will, muss sich mit der innigen Beziehung der Dänen zu ihrem Land auseinandersetzen. Und da hilft ein Blick in die Geschichte: Anfang des 19. Jahrhunderts verlor das einst große und stolze Dänemark wichtige Bestandteile seines Territoriums. 1814 musste es Norwegen an Schweden abgeben, nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 noch mehrere Herzogtümer."

Leitartikel der dänischen Presse

Jyllands-Posten – Eine neue Vierklee-Regierung
Die wirtschaftsliberal - konservative Zeitung aus Aarhus, sieht keine größeren Schwierigkeiten bei der bevorstehenden Regierungsbildung. Die vier “bürgerlichen” Parteien, müssen sich in einer Koalitionsregierung zusammen tun. JP sieht in Dänemark nach der Wahl eindeutig das "bürgerliche Lager" (Mitterechts) gestärkt, da auch die Sozialdemokratie markant nach rechts gerückt sei. Dieser Rechtsruck werde von einem eindeutigen Wunsch der Wähler flankiert, die Umverteilungspolitik beizubehalten und den Wohlfahrtsstaat abzusichern.

Berlingske Tidende – Randgebiet gewinnt über Hippster
Die konservative Zeitung Berlingske Tidende gewinnt das Rennen um die kreativste Überschrift in den Leitartikeln: “Randgebiet gewinnt über Hippster”. Berlingske sieht nach der Wahl ein gespaltenes Land, in dem die Metropolen (Hipster) Rot und die Provinz (Randgebiet) Blau gewählt haben. Berlingske verweist darauf, dass Nordschleswig fest in der Hand von DF sei.

Børsen / Bereit den Steuerzahler erneut zu schröpfen
Die marktliberale Wirtschaftszeitung Börsen erklärt, dass ein unschöner Wahlkampf mit vielen persönlichen Angriffen und wenig inhaltlich ambitionierten Auseinandersetzungen beendet wurde. Doch der Leitartikler Christopher Arzrouni macht sich wenig Hoffnungen und erwartet eine „unambitionierte Regierung“.-Die Machtkonstellation erlaube keine klare Wirtschaftspolitik, da DF sich auf sozialdemokratische Umverteilungspolitik berufe. 

Politiken / Der Verlust von Thorning (nicht online)
Die linksliberale Zeitung hat mit ihrem Chefredakteur Bo Lidegaard einen leicht wehmütigen Abgesang auf die scheidende Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt verfasst. Thorning habe es im Wahlkampf und auch zuvor nicht wirklich geschafft, die Gefühlswelt der Wähler zu treffen – sie habe zu sehr an die Vernunft des Wählers appelliert; das wiederum habe sich nicht ausgezahlt.

Information / Der Sieg verpflichtet
Die linke Tageszeitung beschäftigt sich mit dem Wahlsieg von Dansk Folkeparti (DF). DF müsse jetzt Verantwortung übernehmen – dazu verpflichte das Wahlergebnis. Man stehe nun vor dem Schritt, von einer reinen „Meinungspartei“ zu einer „Machtpartei“ zu werden. Bislang habe DF sich auf reinen Populismus zurückgezogen, das reiche nun nicht mehr aus.


Die ausländische Presse 



Wahl in Dänemark: Sieg der Einwanderungsfeinde - Süddeutsche Zeitung









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