Prima Klima – keine Zeit für die Zukunft der Menschheit


Der BLOG ist als Kolumne in "Der Nordschleswiger" erschienen. 

Seit Jahrzehnten warnen die Wissenschaftler, die sonst eher für Zurückhaltung bekannt sind, mit beinah apokalyptischen Aussagen: Die Menschheit zerstört unseren Planeten und damit unsere Lebensgrundlage. Die Weltbank, UNO, der Weltklimarat und durchweg fast alle Experten erklären uns immer wieder, es sei nicht nur fünf vor Zwölf, sondern bereits fünf nach Zwölf. 

Natürlich wissen wir alle, dass die Ressourcen dieser Welt endlich sind. Wir leben jedoch, als gebe es alles – Trinkwasser, Rohstoffe, saubere Luft, etc. in unbegrenzten Mengen. Unsere Wirtschaft und unser Lebensstil fußen auf grenzenlosem Wachstum. Jedes Quartal blicken wir gebannt auf den Wachstumsindex: Wie viel Wachstum haben wir erzielt? Nur durch Wachstum schaffen wir Arbeit und Wohlstand. Doch gerade in diesem Wachstumsfetischismus liegt eines der größten Probleme.

All das ist den meisten bekannt und dennoch wird nicht gehandelt. Ich gestehe, dass ich in den Zeitungen die Berichte über Klimaveränderung und Weltuntergangsszenarien meist überblättere. Ich mag mich nicht damit beschäftigen und mich nerven Moralapostel. Inkonsequent? Ja absolut! Aber ich habe das Gefühl, mit dieser Wirklichkeitverweigerungstaktik nicht alleine da zu stehen. Und übrigens, komme ich ja aus einem Land, Dänemark, das alles richtig macht, oder?

Dänemark sieht sich als Vorreiterland. Wir sind Weltmeister und können mit Vestas und unserer überlegenen „grünen Technik“ der Welt helfen. Die Politiker sprechen gerne von „grünem Wachstum.“ Wir wollen Klimagerecht wirtschaften, aber ohne dass es zu teuer wird. Wir wollen weiter so leben wie bisher, ohne zu arg von Windmühlen und anderen Auswirkungen einer Umstellung beeinträchtigt zu werden, oder gar den eigenen Lebensstil ändern zu müssen. 

Doch leider ist die Wirklichkeit unbequemer. Das wurde mir deutlich, als ich kürzlich mit dringender Leseempfehlung das Buch „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ von Naomi Klein geschenkt erhielt. „Wieder so ein Klimabuch“, dachte ich mir und dann noch von dieser rabiaten Antiglobalisierungskritikerin. Da die Empfehlung von einer klugen Person kam, deren Meinung ich schätze, habe ich angefangen zu lesen. Ein Buch mit einer enormen Faktendichte, die einen erschrecken lässt.  Erschrecken vor der eigenen Ignoranz, dass wohl wichtigste Thema der Menschheit aus Trägheit zu ignorieren, nämlich die Zerstörung unseres Planeten. 


»Wir haben gewartet und gewartet. Unsere Regierungen haben geredet und geredet. 25 Jahre lang! Währenddessen sind die Treibhausgas-Emissionen um 61 Prozent gestiegen. Wir können auf diesem Weg bleiben - dann marschieren wir direkt auf 4 bis 6 Grad Erwärmung zu. Wir können aber auch alles ändern - das heißt aber, wir müssen unser ganzes politisches und ökonomisches System ändern. Uns bleibt keine Zeit mehr für eine nicht-radikale Lösung.«

Naomi Klein ist in ihren Lösungen sehr radikal. So radikal, dass dies nicht durchzuführen sein wird. Zumindest kann ich mir kein friedliches Szenario vorstellen, in dem dies möglich ist. Doch sie ist ziemlich nüchtern in ihrer Analyse. Wenn wir uns nicht drastisch bewegen und alle unseren Lebensstil überdenken und einschränken – also keine Reisen mit dem Flugzeug, kein grenzloser Konsum - dann wird uns die Klimawirklichkeit ganz schnell einholen. Wir werden die globalen Veränderungen noch in ihrer Dramatik mit bekommen und unsere Nachfahren werden uns verteufeln. 

Ja, ich weiß, einige werden aus dem Fenster schauen und feststellen: Sommeranfang und nur 12 Grad, Regen. Ist das der bedrohliche Klimawandel, den er meint? Und den moralisierenden Artikel schnell wieder vergessen. 

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