Rückblick auf die erste Wahlkampfwoche: Überraschungen und Prognosen




Die ersten sieben Tage des Wahlkampfes liegen hinter uns. Ich möchte zwei Punkte hervorheben, die mich in den zurückliegenden Tagen besonders überrascht haben und eine Prognose wagen, wie es weiter gehen wird.


Die Alternative

Für mich mit Abstand die größte Überraschung des Wahlkampfes ist das Abschneiden der „Alternative“. Wenige hatten der Partei, die keine Partei sein will, zugetraut, die zwei Prozent Sperrgrenze zu überspringen. Doch die unbekannten Wahlkämpfer um den ebenfalls nur mäßig in der breiten Bevölkerung bekannten ehemaligen Kulturminister, Uffe Ellebœk, liegen derzeit in den Meinungsumfragen deutlich über der Sperrgrenze. Der Einzug der Alternative ins Folketing - vieles deutet darauf hin - könnte ausschlaggebend dafür sein, ob Helle Thorning-Schmidt als Regierungschefin weiter machen kann oder nicht.

Die Alternative scheint einen Nerv zu treffen, den es in vielen europäischen Ländern bereits seit längerem gibt. Stichwörter wie Nachhaltigkeit, Klimagerechtigkeit, „Share Economy“ und neue Ansätze der Interessenvertretung am Deutungsmonopol der klassischen Parteien vorbei, scheinen auch in Dänemark salonfähig zu werden.


Der Masterplan und der Fehlstart

Die erste Woche ist von einem Fehlstart (Venstre) und einem Masterplan, der bis ins Detail aufzugehen scheint (Sozialdemokraten) geprägt gewesen. Es ist verwunderlich, dass Venstre mit gleich mehreren dummen Kommunikationsfehlern schlecht in den Wahlkampf gestartet ist. Das nun die Medien beschimpft werden, dass diese den „roten Block“ bevorzugen und den „armen Lars Løkke“ zu hart anfassen, wirkt wenig souverän. Medienvertreter und politische Gegner haben „Blut gerochen“ und sehen bürgerliche Panik aufkommen. Auf Seiten der Regierung schlägt der taktische Vorteil voll zu Buche, dass die Regierungschefin den Wahltermin alleine festlegen kann. Die Kampagne der Sozialdemokraten ist bis auf das Komma getimt und auf Helle Thoning Schmidt zugeschnitten. Nach Punkten steht es nach der ersten Woche eindeutig 1:0 (wenn nicht 2:0) für die Regierung.


Der Ausblick

Lars Løkke Rasmussen ist in seinem politischen „Endgame“. Er weiss, entweder schaffe ich in den nächsten zwei Wochen ein Comeback, oder die Wahl geht verloren und meine politische Karriere ist beendet. Lars Løkke Rasmussen zu unterschätzen (es ist genau ein Jahr her, als er in dem brillanten Showdown in Odense seine politische Karriere rettete) wäre jedoch ein Fehler

Es ist zu erwarten, dass die bürgerlichen Parteien und vor allem Venstre ihren Fokus ändern werden. Die neuen Themen könnten, um eine Zuspitzung zu erzielen, die Ausländer-Debatte und die EU-Debatte sein. Venstre wird dabei auch auf Dansk Folkeparti hoffen, die sich in der ersten Woche ungewohnt zahm in diesen beiden heißen Kampfzonen gezeigt hat.

Helle Thorning-Schmidt wird dahingegen versuchen staatsmännisch zu lächeln, wenig konkret ihre Vorschläge an den Mann und die Frau zu bringen und dabei die Glaubwürdigkeit von Lars Løkke Rasmussen und dem „blauen Block“ in Frage stellen.

Die nächste Wahlwoche kann kommen.

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