Roma: Inseln der Dritten Welt mitten in Europa

Der Blog ist erstmals in der Sommerserie "Europas Minderheiten" im "Der Nordschleswiger" erschienen.
Zwischen 12 und 14 Millionen Roma leben schätzungsweise in Europa und sind seit mindestens 700 Jahren hier beheimatet. Ihre Herkunftsgeschichte ist mythenbeladen – doch die Wissenschaft ist sich mehr oder weniger einig, dass die Roma in verschiedenen Siedlungswellen aus dem indischen Subkontinent stammen. Sie sind in ihren jeweiligen europäischen Heimatländern eine klassische autochthone (alteingesessene) Minderheit. Sie bilden insgesamt keine geschlossene Gemeinschaft, sondern teilen sich in zahlreiche unterschiedliche Gruppen, wie zum Beispiel die Sinti, Kalderasch, Lovara, Ashkali mit vielfältigen, von der Sprache, Kultur und Geschichte geprägten Unterschieden. 
Roma stellen in keinem Land die Bevölkerungsmehrheit. Die größten Gemeinschaften leben vor allem in Südosteuropa, Ostmitteleuropa, Südwesteuropa und Russland. In Deutschland leben ungefähr 70.000 Angehörige der Minderheit mit deutscher Staatsbürgerschaft. Dänemark erkennt als eines der einzigen Länder in Europa die Roma nicht als autochthone Minderheit an – anders als alle anderen skandinavischen Länder. Es gibt in Dänemark derzeit keine ersichtliche Gruppierung, die sich als „autochthone Roma“ um einen Minderheitenstatus bemühen würde.

Kein Erkenntnisproblem - keine Lösungsansätze


Die Situation der Roma in Europa ist besorgniserregend: Alle Berichte, ob nationale oder europäische Analysen, von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Parteien, Think Tanks, Kirchen und NGOs machen alle unmissverständlich klar, wir haben es mit einem enormen sozialen Problem, ja mit einer Katastrophe inmitten Europas zu tun. Es wird nicht einmal bestritten, dass die Roma-Slums und Ghettos, von denen es zahllose gibt, „Inseln der Dritten Welt“ mitten in Europa ausmachen und dass sich die Lage tagtäglich verschlechtert.

Das Versagen Europas 


Die Europäische Union reagiert seit Jahren mit viel Geld. Durch verschiedene Maßnahmen werden Millionen in die Hand genommen, um die Lebensbedingungen für die Roma in Europa zu verbessern. Es gibt gute Programme, viele engagierte freiwillige sowie professionelle Helfer und auch Erfolgsgeschichten. Doch die Gesamtsicht lässt nur ein Urteil zu: Trotz des massiven Geldeinsatzes und der vielen Erklärungen, Programme, Strategien etc. ist die Lage für die Menschen, die in den Slums und Ghettos leben müssen, weiterhin unwürdig und unerträglich. Das trotz der vielen Millionen Euro Förderung keine Verbesserung zu ersehen ist, liegt nicht an den Roma. Nur ein Bruchteil des bewilligten Geldes kommt in Form von dringend benötigter Direkthilfe oder Projektgeldern bei den betroffenen Roma und ihren Siedlungen an. Es versickert vorher oder wird erst gar nicht abgerufen, denn – wie es ein Bürgermeister einer ungarischen Stadt mal plastisch erklärte: „Warum soll ich die Bedingungen in den Roma-Gebieten verbessern, ich will die Roma doch loswerden …“



Neben Armut und sozialer Ausgrenzung sind rassistische Diskriminierung und Gewalt an der Tagesordnung. Roma werden gejagt und ermordet. Es verlassen immer mehr Roma ihre Slums und Siedlungen ohne Strom oder Wasseranschluss (anders als das gängige Klischee sind über 80 Prozent  aller Roma sesshaft) und suchen ihr Glück im europäischen Ausland. Die Abneigung, der Rassismus gegen „die Bettler und Flaschensammler“ in Europa steigt. Beispiele für den alltäglichen Rassismus gibt es viele. Sie kommen zum Teil unschuldig daher, sind gar nicht böse gemeint und klingen dann wie „das liegt in ihrer Kultur“, „sie sind halt anders“, „sie wollen das so“. 

Alle Beobachter sind sich einig, die Situation ist dramatisch – es muss gehandelt werden – die Lebensbedingungen der Roma müssen verbessert werden, ansonsten wird die tickende  soziale Bombe in Europa über kurz oder lang explodieren.

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