Auf die Plätze, fertig los: Wem gehört der Nordpol?

Der BLOG ist als Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" im "Der  Nordschleswiger" erschienen

Dänische Kampfflugzeuge steigen fast täglich an den Brennpunkten der Welt in die Lüfte, um zu patrouillieren oder gar zu bombardieren.  Auch in den heimischen Gefilden kommt es vor, dass sich russische MIG-Jäger dem dänischen Luftraum nähern und daher  königliche Abfangjäger aufsteigen, um Präsenz zu zeigen. Klingt nach fast vergessenen Zeiten des Kalten Krieges, aber die Welt hat sich in kürzester Zeit rasant verändert. 

Verteidigungsminister Carl Holst kämpft derzeit an vielen Fronten; nicht nur um sein politisches Überleben, sondern auch um mehr Geld für das dänische Militär. 
Die Ausrüstung sei veraltet, man werde nicht mehr lange den internationalen Verpflichtungen nachkommen können, so das verteidigungspolitische Lamento. 

Regierungen haben Rüstungsausgaben gekürzt


Viele Regierungen in Europa haben die Rüstungsausgaben gekürzt. Carl Holst hat gerade eine kräftige Unterstützung seiner Argumentation zur Erhöhung der Verteidigungsetats von ungeahnter Stelle erhalten, nämlich durch Vladimir Putin:  Der Kreml hat vor wenigen Tagen bei den Vereinten Nationen schriftlich eingereicht, dass der Nordpol zu Russland gehört.  Bereits 2007 hatte Russland sich kräftig zu Wort gemeldet und das „Wettrüsten um den Nordpol“ angefacht.  Zwei russische U-Boote waren unter dem Eis bis zum Nordpol vorgedrungen. Der Kapitän rammte für die anwesenden Kameras propagandagerecht eine russische Flagge ins Polar-Eis. Im Anschluss an diesen PR-Stunt hatten sich die beteiligten Länder darauf geeinigt, die Gebietsansprüche im Rahmen der Vereinten Nationen gütlich zu verhandeln.  Hier folgen in sehr vereinfachter Darstellung die Hintergründe: Russland begründet die Besitzanspruch mit dem Lomonossow-Rücken, einem Unterwasser-Gebirge, welches Moskau als Fortsetzung der eigenen eurasischen Landmasse ansieht. 

Dänemark sieht das anders und nimmt Ausgangspunkt in Grönland, das dem Nordpol geografisch am nächsten kommt. Kanada mischt auch mit und schert sich weniger um die geographische Komponente, sondern führt die indigene Bevölkerung als Begründung für die eigenen Ansprüche an, denn diese hätte mehrheitlich kanadische Pässe. Seit dem aggressiven Auftreten, gipfelnd in der Annexion der Krim und der Beteiligung an den kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine, hat sich die Sicherheitspolitik fundamental geändert. 

Viele europäische Staaten investieren nun in die Aufrüstung (euphemistisch als Modernisierung des Militärs verkleidet). Das wird wohl auch in Dänemark so kommen. 

Uffe Ellemann fordert besseres Ausstattung für das Militär 


Der Nestor der dänischen Außenpolitik, Uffe Ellemann Jensen, hat es in seinem Blog auf Berlingske.dk folgenderweise formuliert:  „Um es laut und deutlich zu sagen: Wenn wir nur einen Funken an Respekt für unsere territorialen Forderungen erhalten wollen, dann bedingt dies, dass Dänemark in der Lage ist, mehr als eine Sirius-Patrouille und ein paar bescheidene Inspektionsschiffe der Knud Rasmussen-Klasse an den Nordpol zu entsenden“, so Ellemann. 

Das Argument gilt es kritisch zu hinterfragen, denn egal wie viele dänische Milliarden in den Militärhaushalt gepumpt werden sollten, beindrucken wird das die (Militär-)Strategen in Moskau wohl kaum mehr, als die derzeit patrouillierenden Hundeschlitten am Nordmeer. 

Die Klimaerwärmung sorgt für ein Zurückweichen des Eises unter dem Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Bei knapper werdenden Ressourcen dürfte das Wettrennen daher  nun so richtig an Fahrt aufnehmen. Hoffentlich in der Regie der Vereinten Nationen – und ohne russisches (oder dänisches) Säbelrasseln.

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