Bildung oder Kampfflugzeuge



-- Der Artikel ist erstmals in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen - in Der Nordschleswiger erschienen.---

Die Deutschkenntnisse der Dänen sollen besser werden. Wer in Deutschland Geschäfte machen will, der muss die Sprache des Landes beherrschen. Ein klassischer „Standortvorteil“.
 Das scheint der Hauptgedanke hinter dem Vorstoß des Venstre-Vorsitzenden und dänischen Regierungschefs Lars Løkke Rasmussen zu sein, den er im Rahmen seines Freitagsabstechers ins Bundeskanzleramt in Berlin präsentiert hat.

Das hört sich gut an und ist für die deutsche Minderheit ein wichtiges Zeichen, deren Hauptanliegen natürlich immer die Stärkung der deutschen Sprache sein wird – nicht allein nach innen, sondern wir freuen uns natürlich ebenfalls über eine Stärkung des Deutschen in der dänischen Mehrheitsbevölkerung.

Wer dennoch das Haar in der Suppe finden möchte, der würde sich sicher wünschen, dass die Fähigkeit, eine Sprache zu lernen, bzw. diese auch anzuwenden, nicht auf wirtschaftliche Gesichtspunkte reduziert wird. Sprache ist mehr als ein Kommunikationsmittel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Doch wir sollten uns einfach darüber freuen, dass die Sprachenvielfalt mit wirtschaftlichen Vorzeichen in den Mittelpunkt gerückt wird und dass sich Lars Løkke nicht an Oscar Wilde hält, der gesagt hat:

„Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.“  Oscar Wilde meinte damit wohl vor allem die Grammatik, die vielen Ausnahmen und die Pedanterie, mit der die Deutschen ihre Sprache gerne umgeben.

Deutsch ist nicht (viel) schwerer zu erlernen, als so manche andere Sprache; doch es braucht dafür angemessene Rahmenbedingungen und natürlichen den Willen, die Sprache aktiv anzuwenden.
Die Rahmenbedingungen sind derzeit im dänischen Schulwesen nicht gegeben.
Vor allem fehlt es in den Lehrplänen an Deutschstunden und was noch wichtiger ist, an qualifizierten Lehrkräften, die die deutsche Sprache motiviert und kompetent vermitteln können.
Die deutsche Sprache lernt man natürlich am besten an den Schulen der deutschen Minderheit.
Doch diese sind keine Sprachersatzschulen, um das defizitäre Fremdsprachenlernen an den dänischen Schulen zu kompensieren. Es sind vielmehr die öffentlichen Schulen für die Angehörigen der Minderheit und damit über den Spracherwerb hinausreichende wichtige Kultur- und Identitätsvermittler.

Betrachten wir die Ankündigung von Lars Løkke Rasmussen zur Stärkung des Deutschen und die nur einen Tag später verkündete Botschaft der Regierung, über die nächsten vier Jahre 8,7 Milliarden Kronen im Schul- und Bildungssektor einsparen zu wollen, wird den meisten ein Widerspruch auffallen.

Nun muss Venstre jedoch erst einmal eine politische Mehrheit finden, um im Bildungsbereich den Rotstift ansetzen zu können; das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Die im Herbst anstehenden Finanzverhandlungen werden Licht ins Dunkel bringen – bei einer Minderheitsregierung, wie der von Lars Løkke, kommt nichts so aus dem politischen Prozess heraus, wie es in die Beratungen eingebracht wurde – also, schauen wir mal.

Derzeit ist noch viel ritualisierter Stammes-Tanz in der politischen Arena zu beobachten.
Ein Finanzminister, der nach dem obligatorischen „Kassensturz“ klagt, dass die Vorgängerregierung ein Milliarden-Loch hinterlassen habe und eine Opposition, die laut Zeter und Mordio schreit über die Kürzungsabsichten der neuen Regierung.

Doch falls es Lars Løkke Rasmussen mit besseren Deutschkenntnissen in der dänischen Bevölkerung ernst meint, muss er dafür Geld in die Hand nehmen; doch keine Angst:
So viel wie ein neuer Kampfjet würde das nicht kosten.

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