Porajmos : Erinnerung in Auschwitz und Denkmalschändung in Berlin

Foto: Veljko Tomović


Der BLOG ist auch erschienen als Artikel in der Tageszeitung - Der Nordschleswiger

Zahlreiche Sinti aus Schleswig-Holstein, Landtagsabgeordnete aus Kiel, Mitglieder der Europaunion, Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, Pressevertreter und Minderheitenangehörige aus dem deutsch-dänischen Grenzland haben sich gemeinsam, per Bus, von Kiel nach Krakau aufgemacht. Die Gruppe, unter Leitung des Landesvorsitzenden der Sinti und Roma Schleswig-Holsteins, Matthäus Weiss, gedachten im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz der ermordeten Sinti und Roma Europas. Über 500.000 Sinti und Roma fielen im besetzten Europa dem Holocaust (auf Romanes: Porajmos - „das Verschlingen“) zum Opfer. Auch etwa 400 schleswig-holsteinische Sinti und Roma kehrten aus den Lagern der Nationalsozialisten nicht zurück.

Auschwitz, das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager, ist zum Symbol des Holocaust geworden. Hier ermordeten Angehörige der SS während des Zweiten Weltkrieges etwa eine Million Juden und zehntausende politische Häftlinge aus Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma. Etwa 70 Kilometer westlich von Krakau (polnisch: Kraków) ließ die SS seit 1940 nach und nach einen Lagerkomplex mit 38 Außenlagern errichten. Heute erinnert das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau an die Opfer.

Für einige jugendlichen Sinto war es die erste direkte Konfrontation mit der Leidensgeschichte ihrer Vorfahren. Sie starrten auf die Namen der Ermordeten, die in der Roma-Ausstellung in Auschwitz nicht endend wollend, aneinandergereiht sind. Bei der Suche nach dem eigenen Familiennamen wurden alle fündig. 

Während die Reisegruppe in Polen der Leidensgeschichte der Sinti und Roma nachging, haben Unbekannte das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten geschändet. Sie beschmierten das Monument mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift „Vergasen“.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose erklärte dazu:
„Diese Schändung, die in diesem Ausmaß erstmals am Denkmal stattgefunden hat, zeigt, dass die Rechtsextremisten in der momentanen Krise die Gelegenheit sehen, den Geist Hitlers wieder neu zu beleben. Sie wollen die Zeit zurückdrehen und damit unsere Demokratie aushebeln. Der Zentralrat wird nicht nur eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung, sondern auch wegen Bedrohung erstatten. Den Tätern kam es mit dem Begriff „Vergasen“ offensichtlich darauf an, zur Gewalt gegen die Minderheit aufzurufen, die Opfer des Holocausts in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern wurde.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen